Mein Jakobsweg 2006 · Tag 79 & 80

Finisterre – Tage am Ende der Welt

📅 Samstag, 22.07. – Sonntag, 23.07.2006🌌 Schlafplatz am Kap🔥 Kleidung verbrennen📯 Das Nebelhorn

Der genialste Schlafplatz ever

Es war der genialste, schönste und beeindruckendste Schlafplatz ever. Die Milchstraße und die restlichen Sterne klar über mir, die Wellen, die sich brechen und in den Klippen hängen, und dazu der ewige Wind. Ich habe beobachtet, wie die Möwen im Sonnenuntergang ihre letzten Runden drehten und die Nacht ganz langsam hereinbrach. Ich verbrachte eine wundervolle und aufregende Nacht.

Der genialste, schönste und beeindruckendste Schlafplatz ever.

Sprung in die Brandung

Auf dem Rückweg nach Finisterre sah ich Jason, Annette, Todd und Jessica in einem Hotel. Ich wollte nur Hallo sagen, und schon hatte ich für die nächsten zwei Nächte ein Bett. Wir teilten uns ein Dreibettzimmer in einem Hotel. Gut so, da musste ich nicht in die Herberge, in der man nur eine Nacht übernachten durfte.

Das war, nachdem ich an der Praia do Mar de Fora in die Fluten gesprungen war. Die Wellen so hoch und die Strömung so stark, das flößte mir schon mächtig Respekt ein. Sensationell, ich habe mich gefreut wie ein kleines Kind! Eine wunderschöne, wilde Bucht. Auch wenn das Wetter nicht gerade Badewetter war, konnte ich mein Glück in diesem Moment kaum fassen.

An diesem Tag traf ich noch viele Pilger und verabschiedete mich von Valentina Zamberlan, die den Bus zurück nach Santiago nahm. Ich traf Emanuel wieder und zwei andere Deutsche. Später auch Rafael, Flo, Ben Hildreth und seine Mädels. Jeder freute sich, den anderen zu sehen. Ein unglaubliches Gefühl. Ach so: Den dämlichen Franzosen aus Ostabat-Asme, diesen cholerischen Schreihals, sah ich auch an der Bushaltestelle. Was für ein Arschloch! Er führte sich schon wieder auf.

Am Kap, am Ende der Welt

Am Abend gingen wir alle zusammen zum Kap (Todd, Jessica, Annette, Jason und Helle, die Schwedin). Wir tranken, lachten und verbrannten traditionell ein uns wichtiges Kleidungsstück. Jeder erzählte dazu eine kurze Geschichte, wieso und warum er gerade dies verbrennt. John, der Ire, kam auch noch dazu.

Es war ein bewegender Moment, gemeinsam mit den anderen da oben am Kap, am Ende der Welt, zu sitzen. Einen Sonnenuntergang hatten wir leider nicht, da es heute sehr neblig war. Dann plötzlich …

DAS NEBELHORN!

Für einen Moment dachte ich, es ist aus und vorbei, ich muss sterben, die Welt geht unter, oder es passiert etwas ganz Schreckliches. Dieses Geräusch des Nebelhorns, so nah, so laut, so grässlich! Wer einmal den Film „The Fog – Nebel des Grauens“ gesehen hat, der weiß, wovon ich rede. Mir hat’s schier die Haare aufgestellt. Ohren zugehalten und zusammengezuckt. So ging das ’ne ganze Weile weiter. Auch nach dem vierten oder fünften Mal konnte ich mich nicht daran gewöhnen.

Hotel California und eine heiße Sohle

Auf dem Weg ins Dorf sang ich mit Helle mein Lieblingslied, „Hotel California“. ;-) Bis jetzt hatte ich es immer allein singen müssen. An der Bushaltestelle trafen wir auf Stephan und Ben mit seinen Mädels. Dann ging’s ab in die Disco. Mit der hübschen Ungarin legte ich eine heiße Sohle aufs Parkett. Mann, was für ein Ding, nach 80 Tagen mal wieder das Tanzbein zu schwingen! Die konnte sich bewegen, hau mich ab. Hammer!!!

Jason machte dann noch mit der Schwedin rum, sodass wir auf ihn warten mussten. Annette gefiel das überhaupt nicht. Ich jedenfalls war todmüde und froh, jetzt bald im Bett zu liegen. Ein wunderbarer Tag.

Den gewucherten Pilgerbart habe ich zu einem Gamsbart gestutzt. Karten habe ich geschrieben und Pimientos und Fischsuppe gegessen. Was für ein Tag …!!! Auf Muxía, wohin Johann gelaufen ist, verzichte ich. Fast alle rasierten sich. Jason hatte das gleiche Gebilde im Gesicht wie ich, Stephan trennte sich von seinen langen Haaren, und Todd sah jetzt aus wie Abraham Lincoln. Genial!

Die ganze Bande

80. TagSonntag, 23.07.2006 – Finisterre, 3. Tag

Muscheln sammeln

Ich habe bis 10 Uhr gepennt. Dann gab’s im kleinen Café nebenan Kaffee und Croissant. Es saßen wieder alle beieinander. Anschließend ging ich zum Strand runter, um Muscheln zu sammeln. In aller Ruhe ging ich am Strand meiner Muschelsuche nach. Über die erste Jakobsmuschel habe ich mich riesig gefreut. Und es waren viele Muscheln, die ich aufsammelte.

Alle Hände voller Muscheln, machte ich mich auf den Rückweg, wobei mir beim Bücken die geschriebenen Postkarten aus der Hemdtasche ins Wasser fielen. Ich habe sie trotzdem verschickt. Gregor und Karin lagen auch am Strand und sonnten sich. Gestern hatte ich mich lange mit ihnen unterhalten. In Santiago haben sie bemerkt, dass Karin schwanger ist. Cool!!!! Ein kleiner Jacobus.

Ein kleiner Jacobus!

Die Sonne schien so stark, dass ich echt Angst hatte, mich zu verbrennen. Also nix mit Hinlegen und Sonnen. Ich war zufrieden und glücklich über meine Strandfunde. ;-) Danach gab’s einen fetten Burger und ’ne Mütze Schlaf.

Später ging’s mit Ben, Fleur, Chelise, Ambre und Alice zum Abendessen. Sie hatten ganz witzige Meerestiere bestellt, die aussahen wie Schildkrötenfüße: „Entenmuscheln“, galicische „Percebes“. Wie immer aß ich meine Pimientos. Anschließend gingen wir zusammen zum Kap, um den Sonnenuntergang zu sehen. Es war so spannend und schön wie am ersten Abend, nur mit einem Unterschied: Ein dicker Wolkenstreifen zierte den Horizont.

Allein ging ich zurück und genehmigte mir noch zwei Whisky-Cola. Soooo, jetzt ab ins Bett.

Sleep well, Franko!