Mein Jakobsweg 2006 · Tag 46

Lectoure – Montréal-du-Gers (Séviac)

📅 Montag, 19.06.2006⛪ Kathedrale von Condom🏛️ Römische Thermen⛈️ Endlich Regen

Nebel auf dem Acker

Habe die Nacht auf dem Acker 15 km vor Condom einfach mal gut durchgeschlafen. Ich hatte einen schönen Traum von zwei Burschen, die singend durch die Stadt zogen. Ich meine, die richtig, richtig gut singen konnten. Schon lustig, was das Hirn in der Nacht so freisetzt. Es war sehr neblig diese Nacht, sodass mein Schlafsack schön feucht geworden ist.

Noch 15 km bis Condom. Unterwegs sah ich schöne Bäume und trank in einem netten Café einen Café au Lait Grande.

Condom

Man konnte die Kathedrale Saint-Pierre von Condom schon von Weitem sehen. Triumphierend schritt ich die schnurgerade Straße hinein in die Stadt, auf die Kathedrale zu, und nahm noch genüsslich einen Café. Neben mir saßen zwei deutsche Frauen, und ich stellte zu meinem Entsetzen fest, dass heute Montag war und alles geschlossen hatte. Sogar die Tabakläden machten von 12:00 bis 14:00 Uhr dicht.

Die Kathedrale ist ’ne Wucht. Erbaut zwischen 1507 und 1531 im spätgotischen Stil, einschiffig. Wieder so ein fantastisches Tympanon. Der Anblick der Kathedrale Saint-Pierre von innen war ergreifend. Anschließend badete ich meine Füße in einem Brunnen, der zu einem Museum gehörte und in einer großen Halle stand. Mei, tat das gut!

Mei, tat das gut!

Frank winkt

Als ich umherirrte, um den Weg aus der Stadt zu finden, sah ich jemanden winken. Wer war’s? Der Frank! Er ist die 30 km von 7:00 bis 13:00 Uhr gelaufen. Vielleicht aus Frust??? Ich hatte ja eh einige Kilometer gespart, da ich die Straße lief. Wir tranken gemütlich ein Bierchen und ratschten, bis er sich zu seiner Gîte aufmachte und ich für meinen Teil das Weite aus der Stadt suchte. Er war heute etwas angefressen. Ihm fehlen im Moment die Lust und der Sinn. Kommt schon wieder!

Noch 17 km bis Montréal-du-Gers. 4 Stunden – null Thema! ;-) Ich ergatterte noch zwei Snickers. Juchhuuuu! Um 18:30 Uhr kam ich an. Vorher hatte ich in der Kirche in Routgès zwei Deutsche aus Leverkusen kennengelernt. Man musste schon a Weng vom Weg abgehen, um die schöne alte Kirche (die älteste hier in der Umgebung) besichtigen zu können.

Ein Gönnerabend in Séviac

Ich hatte mich schon tierisch gefreut, in Montréal-du-Gers einen Fressladen zu finden, der geöffnet hat. So kaufte ich mir für heute Abend Eier, Wurst, Wein, Armagnac, Mars, Tomate, Zwiebel, Brot, Käse etc. Ein Gönnerabend! ;-) Damit machte ich mich auf den Weg nach Séviac, zur Gîte, die bei den römischen Bäderausgrabungen liegt. Es war höchste Zeit, dass ich mein heutiges Ziel erreichte, denn kurz darauf fing es an, aus allen Poren des Himmels zu schütten.

Séviac: gallorömischer Ausgrabungsort, Gîte mit Küchenbenutzung. Super hier! Oben im ersten Stock schläft man sehr primitiv, aber wen stört das schon, wenn man trocken bleibt. Ein Bett weiter allerdings regnete es rein. Schön geduscht und dann ab in die Küche, das Abendbrot zubereiten. Ich hatte einen Bärenhunger. Machte mir ein Omelett und trank dazu einen schönen kalten Rosé.

Rosé „Domaine de Pellehaut“ – Harmonie de Gascogne – 2005 – Famille Béraut

Wissen In Séviac wurden gallorömische Thermen und Mosaiken aus dem 4. Jahrhundert ausgegraben!

Seit ca. einer Stunde donnert und regnet es wie die letzten 46 Tage nicht mehr. Die Bauern werden sich freuen. Die Bank schickt mir die PIN an Mama und Papa. Hoffentlich ist’s morgen trocken.

Sonstiges …

Seit Le Puy am 1. Juni regnet es heute mal so richtig. Mit dem Wetter habe ich so ein unbeschreibliches Glück. Den Tag nach Gland möchte ich kein zweites Mal.

Es war irre heiß heute. Blumen und Bäume säumten den Weg auf herrlichste Weise. Die Straßen in Montréal-du-Gers waren ein einziges Blumenmeer. So viele Eidechsen wie in diesen Tagen hier in Frankreich habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Es gibt Schmetterlinge und Libellen in allen Größen und Farben. Einfach traumhaft.

Heute habe ich zum ersten Mal „gelbe Kirschen“ gegessen, sie schmeckten fast noch intensiver als die roten. Lief heute 17 km in Sandalen. PRIMA!!! Die Orte hier in der Gegend strotzen nur so vor Blumen.

Ich stelle bei mir eine noch nie dagewesene Sexualabwesenheit fest. Es interessiert mich überhaupt nicht. Unglaublich. Ja, das muss auch gesagt werden. Weg des Zölibats!

Gestern führte mich der Camino an einem duftenden Maggipflanzenfeld vorbei.