Hallo Harald
Der Wecker hat schon um 5:30 Uhr nach mir gerufen. Raus aus dem Sack, und um 6:30 Uhr ging’s los. Wo mochte Harald wohl sein??? Vor oder hinter mir? Es ging einen wunderschönen Waldweg entlang, der meinen Waden und dem linken Oberschenkel aber wieder alles abverlangte. Es ging über Schneeberge und Wasserfälle. Eine wirklich tolle Strecke.
HALLO HARALD habe ich dann in den Sand des Weges geschrieben. Irgendwann auf einem Schneefeld, nachdem ich schon gegessen und die Schuhe in der Sonne getrocknet hatte, stand er 20 m hinter mir. Wir gingen zweimal getrennte Wege, und jedes Mal trafen wir wieder aufeinander. Zufall???
Wir gingen zweimal getrennte Wege, und jedes Mal trafen wir wieder aufeinander.
Arschkalt
Wir waren auf dem Weg nach Interlaken. Kurz davor zog ich es vor, ihn ziehen zu lassen und ein kühles Bad im See zu nehmen. Es entpuppte sich als sehr kühl. Ca. 1 cm! Aber ich hatte meinen Willen durchgesetzt, endlich meine Knochen in wildes Wasser zu tauchen. Arschkalt ist wohl der bessere Ausdruck dafür. Bei der Gelegenheit habe ich gleich Slip und Socken gewaschen. Ein angenehmes Gefühl.
Interlaken
In Interlaken konnte ich dann das Jungfraujoch sehen. Sensationell! Eiger und Mönch waren auch zu sehen. Eine gewaltige Bergkulisse. Habe mir ein Magnum Mandel gegönnt und den Ort einfach nur durchquert. Es wimmelte von Touristen. Ein Anblick, mit dem man in dieser Situation schwer umgehen kann. Es sieht alles so befremdlich aus – und das nach nur kurzer Zeit.
Eigentlich hatten wir vor, aufs Jungfraujoch hochzufahren, aber bei dem Schnee … Nachdem ich mich meiner Wanderstöcke entledigt hatte, habe ich mich dann etwas verlaufen. Bin einfach nur gelaufen, habe mir auf einem Feld bei einer Bäuerin Rat geholt und bin weitergelaufen.
Wiedersehen an der Kirche
Endlich in Merligen angekommen, sah ich eine schöne Kirche und wollte mir dort Wasser holen und nachsehen, ob sich Harald ins Pilgerbuch eingetragen hat. Wusste ja nicht, ob er vor oder hinter mir war. Wie ich mich der Treppe näherte, erblickte ich – na? Klar doch! – Harald in voller Gestalt. Er hatte sich schon Gedanken über die kommende Nacht und das dazugehörige Nachtlager gemacht und wartete gespannt, bis nebenan im Pfarramt das Licht anging.
Da eine ziemlich große Gewitterwolke über den Thunersee zog, wartete ich auch, um die Nacht an einem sicheren Ort zu verbringen. Tatsächlich kamen sie nach Hause ins Pfarramt.
Zu Gast bei Familie Berger
Familie Berger: Christian, Erika und ihre zwei Töchter. Liebevoll baten sie uns herein und steckten uns jeweils in ein separates Zimmer, das sonst nur den Freunden der beiden Töchter zustand. Wir duschten und gingen dann zu einem langen, angenehmen Plausch mit der Familie ins Wohnzimmer, mit Blick auf den See und die Berge. Bei einer Tasse genüsslichem Kaffee unterhielt es sich sehr gut. Ein fantastischer Abend. Tilsiter und Brot hatte ich schon beim Warten vor der Kirche verspeist.
Ein Mann wie ein Baum
Meine Achillesferse, die linke Wade und der Oberschenkel machen mir ernsthafte Probleme. Manchmal denke ich mir: Wenn das den ganzen Weg so weitergeht, komme ich als körperlich gebrochener Mann zurück. I glaub, dann vereck i. Ein Mann wie ein Baum, stark wie ein Ochse. Hahahaha!!!
Mit meiner Ernährung läuft etwas verkehrt. Ich kann furzen wie ein Weltmeister. Vielleicht sollte ich die Käsesorte wechseln. ;-) Es ist 21:00 Uhr, und ich begebe mich zu Bett.
Übrigens Die Schweiz hat 20 Kantone und 6 Halbkantone.
PS Habe mir heute mal die Haare gewaschen.