San Juan de Ortega
Es ist 11:00 Uhr, und ich sitze im Café von San Juan de Ortega bei Kaffee und Kuchen und schreibe diese Zeilen. Die ersten 25 km habe ich schon ohne größeren Aufwand hinter mich gebracht. Ich gehe jetzt noch 6 km, und dann muss Schluss sein für heute. Das Frühaufstehen lohnt sich. Es waren ziemlich viele Leute unterwegs, da zwei Refugios eng beieinanderlagen.
Mein linkes Bein ist nicht so auf der Höhe, ich hoffe, es hört bald auf, Schmerzen auszustrahlen. Vielleicht zu viel Cerveza in den Adern. ;-) So, nach zwei Kaffee kann es auf die verbleibenden 6 km gehen.
Es ging verdammt schnell, und ich war zu früh in Atapuerca. Ich überlegte, zur nächsten Unterkunft zu gehen. In Cardeñuela de Riopico sollte es ein Refugio geben. Gab es auch, nur war das Kaff bis auf die Kneipe tot. Nix für mich. Und die 16 Betten waren sicher nicht der Hit. Blöd, dass bis Burgos nix auf der Strecke lag, wo man sich hätte einquartieren können.
No pain, no fun
Noch mal Wasser aufgetankt, und … NO PAIN, NO FUN. Als ich dann von einer Anhöhe aus Burgos sehen konnte, stand es fest: Ich musste heute noch dorthin, in diese großartige Stadt. Zur Begrüßung dieses Entschlusses hatte ich wieder Hunderte Schmetterlinge um mich herum. Sagenhaft schön! Immer nach dem Motto: so weit die Füße tragen.
No pain, no fun – so weit die Füße tragen.
Eine halbe Stunde lang musste ich den ungeliebten Industrie-Stadtrand von Burgos durchqueren. Da ich jedoch die beschriebene Abkürzung am Kanal nahm, wurde es schon bald wieder sehr angenehm zu gehen. Meine Füße und Beine waren auch schon wieder fast schmerzfrei. Natürlich nicht … Waddn Kalück!
Der Weg am Fluss Arlanzón entlang der Parkanlage in Richtung Innenstadt entschädigte mich schon für die Strapazen, die ich mir heute auferlegt hatte. Die meisten meinten, man solle den Bus in die Innenstadt nehmen. Ich doch nicht!!!
Burgos
Alsbald kam ich in der Stadt an. Ich ging nicht gleich in die Kathedrale, sondern zuerst zur Info, um einen Plan zu besorgen. Dann ließ ich mir die Fotos der letzten Tage auf CD brennen. 10 € inklusive neuer Batterien. Das ist doch mal was, gelle! Und dann ab zur Herberge. Ich wollte einfach nur meine Ruhe, was essen, trinken, entspannen und genießen.
53 km, das war ’ne Menge, zumal meine Füße schmerzten. Doch die Freude darüber, heute hier anzukommen, ließ mich die Schmerzen und die 15 kg auf meinem Buckel vergessen. Heute den ersten Fünfziger gemacht, juhu!
Um 18:00 Uhr bin ich in der Pilgerunterkunft eingetrudelt. Die beiden Deutschen mit dem Radl waren auch da. Ich war sehr glücklich. Der Weg heute war SUPER. Abwechslungsreich, hoch und runter, Bäume, Felder, Tiere, alles da. Am Anfang waren es noch viele Pilger und im Laufe des Tages nur noch ich und die Natur. Göttlich! Die Deuter-Gang lässt grüßen, wieder mal alles abgehängt. Hoffentlich muss ich keine körperlichen Konsequenzen davontragen.
Die Kathedrale von Burgos ist gewaltig, und auch sonst lässt die Stadt auf Großes hoffen. Das schon mal auf den ersten Blick. Für 3 € habe ich eingecheckt und mich sofort um mein Abendmahl gekümmert. Was es gab … siehe Foto!
Das hatte ich mir heute redlich verdient. Unterwegs hatte ich ein tschechisches Paar getroffen, das jetzt auch gerade eintrifft. Leider hat die Herberge keine Kochgelegenheit. Na ja, auch nicht so schlimm. Es wären eh zu viele Leute, die sie nutzen wollten.
Gedanken
Was ich das nächste Mal mit auf Reisen nehme, ist ein Liederbuch. Ganz wichtig!!! Gegen die Langeweile und zur Gemütserfrischung. Meine große Kamera vermisse ich sehr oft, um die schönen Landschaften oder Gebäude wirklich einzufangen. Im Moment genieße ich mein fast schon königliches Mahl und die Ruhe. Beim Lesen des Matthäusevangeliums werde ich des Öfteren zornig über den Unsinn, der da geschrieben steht, auch wenn andere Sachen stimmen und immer noch zutreffend sind.
Seit Harald habe ich niemanden gefunden, mit dem ich gern einige Kilometer gemeinsam laufen oder mich abends auf einen Plausch treffen würde. Ich lebe oft zu gut für einen Pilger – ach ja, ich bin ja ein Wanderer. ;-)