Mein Jakobsweg 2006 · Tag 57

Los Arcos – Navarrete

📅 Freitag, 30.06.2006🌅 Sonnenaufgang🏙️ Logroño⚽ Deutschland – Argentinien

Eigensinnige Magie

20 Minuten vor 6 Uhr schlüpfte ich in meine Latschen und machte mich unbeschwerten Fußes auf den Weg, weg von dem liebgewonnenen Los Arcos. Es war eine eigensinnige Magie, die mich mit freudigen Schritten hierhergebracht hatte.

Ich war ein wenig zu schnell, was mich meine Füße spüren ließen. Ab Torres del Río nahm ich die Straße N-111. Dieser Schritt machte sich zum Ende hin bezahlt. Ab Viana ging’s dann wieder ganz normal der Muschel nach. Heute Morgen habe ich einen superschönen Sonnenaufgang erlebt und tief in mich aufgenommen.

Hapes Hut

In einem Café in Viana traf ich zwei deutsche Radler, sehr nette Leute, die gestern erfahren hatten, dass ihre Tochter schwanger ist. Und nicht genug damit: Gleich darauf sahen sie einen Storch. Wie reizend! Die beiden berichteten mir von der Neuerscheinung, Hape Kerkelings Bestseller „Ich bin dann mal weg“, der vom Jakobsweg handelt. Nun ja, ich konnte damit nix anfangen, war ja eben selbst auf dem Weg und atmete die ganze Kraft selbst ein. Sie haben mir auch von Hapes Hut erzählt, der jetzt in Santo Domingo de la Calzada in einem Hutgeschäft hängt. Für mich wahrlich kein Grund, jetzt noch zu diesem Geschäft zu pilgern. Ich werd mal reinschnuppern, wenn ich wieder daheim bin, mal sehen, was er so schreibt.

Logroño

Im weiteren Verlauf des Tages kämpfte ich mich ohne größere Schwierigkeiten und Vorkommnisse nach Logroño durch. Kurz vor Logroño, der Hauptstadt der spanischen Region La Rioja, bekam ich noch einen Stempel von der guten alten Pilgerfee Doña Felisa.

Ich hatte keine große Ambition, mich länger in der Stadt aufzuhalten, und so beschloss ich nach einem kleinen, erfrischenden Eis, die Stadt geradewegs zu verlassen. Ich wollte Navarrete erreichen. Heute frage ich mich, was mich immer so sehr vorangetrieben hatte. Heute waren es schon wieder 43 km. Ich hätte locker in Logroño bleiben können, um mir die Stadt anzusehen, aber scheinbar war und sollte es so sein. Gut, ich war schon um 12:30 Uhr in Logroño, und es war nicht DIE Stadt, die mich auf Anhieb frohlocken ließ.

Ein deutscher Radler namens Wolfgang aus Kaiserslautern kreuzte meinen Weg. Vielleicht treffe ich ihn noch mal, oder heute Abend beim Fußball in Navarrete. Immer wieder holt mich der Gedanke ein, dass ich die Strecke auch gern mal mit dem Fahrrad bestreiten möchte. Am Stausee Embalse de la Grajera machte ich ein kleines Päuschen und genoss es bei Irache-Wein, Roquefort, Oliven und Baguette. Ich bin froh, wenn es in meinem Leben wieder a gscheits Brot gibt.

Elfmeterkrimi in Navarrete

Um 16:00 Uhr bin ich in Navarrete angekommen, und um 17:00 Uhr begann das Spiel Deutschland – Argentinien! Was das wohl für ein Kracher wird? Gewaschen, geduscht und gepflegt, ging’s ab in die Bar zu einem kühlen Blonden und der Röhre voller Emotionen. Harald, der alte Gauner, hat sich am 26. Juni hier eingetragen.

Das Spiel war der reine Wahnsinn. Wie schon erwähnt, traf ich Wolfgang hier an. Er war bei diesem Spiel auch außer Rand und Band. Zu alledem saß noch ein Pärchen mit vor der Glotze … und jetzt!!! Der Typ war Argentinier, das gibt’s doch nicht, oder? Der hatte bis zur letzten Sekunde die Hoffnung nicht aufgegeben. Ich dagegen hatte oft die Hose voll und befürchtete schon das Schlimmste für unsere elf Jungs. Aber nach einem prickelnden Elfmeterschießen, 4:2, stand ich mit Freude im Gesicht am Tresen, und der arme Kerl wäre vor Enttäuschung fast unter den Tisch gerutscht. Ist halt nur ein Spiel! Vier große Bierchen und ’ne leckere Pizza haben mir den Abend ebenfalls versüßt. ;-)

Ist halt nur ein Spiel!

Heute habe ich bemerkt, dass ich trotz der luftigen Gehweise in Sandalen kleine Löcher in der Fußhaut habe. Was kann das nur sein?

PS Heute kam ich an einem ca. 500 m langen Maschendrahtzaun vorbei, der mit kleinen Kreuzen aus Holzstücken gespickt war. Sehr beeindruckend!