Hinter zwei Fiats
Nach langem Suchen habe ich mich dafür entschieden, zwischen einer Mauer und parkenden Autos zu pennen. Gleich hinter zwei Fiats habe ich mich niedergelassen. Der eine war ein Bravo wie meiner, mit der gleichen Farbe. Ja, so was! Es war keine schöne Nacht. Erstens habe ich geschwitzt wie ein Schwein, und dann machten mir zwei Katzen die Nacht zur Hölle. Um 4:00 Uhr fingen die an zu jammern, sodass ich kein Auge zubekam. Das war der Preis für einen gemütlichen Abend. Aber ohne Zwanghaftigkeit. Gerne doch, immer wieder.
Falls irgendeiner an übersinnlichen Dingen zweifelt: Welches Auto verließ um 5:30 Uhr als erstes den Parkplatz??? Na klar, das, hinter dem ich lag. Damit war die Nacht endgültig vorbei. Von ca. 70 parkenden Autos genau dieses!
Von ca. 70 parkenden Autos genau dieses!
Am Morgen bemerkte ich, dass ich unbeabsichtigt an den Mauern der Pilgerunterkunft geruht hatte. Dort fand ich Wasser zum Waschen, Trinken und Zähneputzen. So ein Glück wiederum! Jetzt schnell noch am Bankomaten Geld gefasst und immer der Muschel hinterher. Ein Kaffee für meinen Motor wäre jetzt ’ne tolle Sache. Ich kam an einem Café mit genüsslichem Duft vorbei, das jedoch erst um 7:30 Uhr öffnete. Eine Stunde warten war es mir dann doch nicht wert.
Bar Kaioba
In Cizur Menor, 5 km hinter Pamplona, sitze ich bei der zweiten Tasse Café con Leche inklusive Croissant und schreibe diese Zeilen. So schön kann’s sein. Zwei reizende Madln schmeißen hier den Laden. Es heißt „Bar Kaioba“ (großer Café mit Milch und Croissant 2 €). Noch Fragen? Danach lief mein Motor wieder auf Hochtouren. Gut so, denn es ging immerzu die Berge hoch. Bis Obanos überholte ich 35 Pilger. Hatte alle brav gezählt. Lustiges Spiel.
Alto del Perdón und Eunate
So, nun war ich endlich auf der Passhöhe Alto del Perdón angekommen und ließ ein Foto von mir mit den übergroßen Pilgerfiguren machen. Der Weg hinab war ziemlich steinig und mit Vorsicht zu genießen. Ich traf eine deutsche Frau mit einem Franzosen und trank mit beiden einen leckeren Café bei einem wirklich netten Gespräch.
Die ganze Zeit suchte ich am Horizont nach der Kirche Eunate, doch ich sah sie nicht. Und jetzt war ich dann doch da. Da stand sie vor mir. Wie hatten doch Charly und Marianne aus Le Puy davon geschwärmt! Ich solle sie mir unbedingt ansehen. Es gab da auch einen zweiten Weg, der daran vorbei- und nicht hinführte. Ich war sehr beeindruckt und beschloss, dort ein längeres Päuschen einzulegen. Ich setzte mich auf die Mauer und verschlang einige stärkende Happen. Ein Foto musste her, klar doch.
Als ich schon ca. 500 m weitergelaufen war, fiel mir ein, dass ich mir keinen Stempel geholt hatte. Das ging ja nun gar nicht. Also wieder zurück und Stempel holen. Es hat sich auf alle Fälle gelohnt. Man wird mit der Zeit ein kleiner Stempelnarr.
Puente la Reina
Weiter ging’s ins Städtchen Puente la Reina, das seinen Namen einer Brücke verdankt, die im 11. Jahrhundert im Auftrag der Königin von Navarra gebaut wurde, um den Pilgern die Überquerung des Arga zu erleichtern. Dort warteten ebenfalls ein Stempel und ein kühles Blondes in einer kleinen Straßenbar auf mich. Ich kam mit einem Magdeburger Pfarrer (Bernd) ins Gespräch, der jetzt in Delitzsch eine neue Gemeinde betreuen wird. Ich schaute mich noch etwas um und ging dann weiter.
Cirauqui
Noch 7,5 km bis Cirauqui. Diese schnuckelige kleine Stadt liegt auf einem Hügel und hat, wie sie im Führer schreiben, eine neue Pilgerunterkunft. Also nix wie hin! Ein wirklich sehr schönes Refugio: 7 €, Abendessen 10 €. Ich schlenderte noch durch die Straßen, bevor ich mich ans tägliche Wäschewaschen machte.
Ein Paar aus Norwegen und ein Holländer waren auch im Refugio. Wir beschlossen, abends gemeinsam zu speisen. Es war wunderbar, eine gesellige Runde, und wir haben getrunken, gegessen und gelacht. Es gab:
- Spaghetti
- Salat
- Brot
- Wein
- Pastete
- Fleischbällchen in Tomatensoße
- Dessert
Einfach oberlecker! Auch sollte man sich den Besuch der Kirche mit ihrem beeindruckenden Tympanon und dem reichen Innenschmuck nicht entgehen lassen.
PS Harald ist 120 km voraus, in Santo Domingo de la Calzada.