So, lieber Franko, all die Schmerzen und Hürden, die du bis jetzt überwinden musstest, werden in Vergessenheit geraten, wenn du die Pforte nach Saint-Jean-Pied-de-Port durchschreitest.
Schöner als fliegen
Heute ging es wieder mit Sandalen los. Ich wollte nach Saint-Jean-Pied-de-Port, und das auf dem schnellsten Wege. Meine Schuhe waren vom Vortag eh noch feucht. Auf der D933 ging alles ziemlich schnell. Um 6:30 Uhr bin ich los und war mit einem Kaffeestopp um 10:30 Uhr in Saint-Jean-Pied-de-Port. War schöner als fliegen. ;-)
Ich habe mich gleich um einen Platz in der Gîte „Refuge pour les pèlerins de Saint-Jacques-de-Compostelle“ gekümmert. Hier sind alle sehr, sehr nett, hilfsbereit und freundlich bei der Aufnahme in die Gîte.
Endlich da!
Ein, was ich nicht ahnte, sehr beliebter Touristenort. Busse, Busse und nochmals Busse, gefüllt mit Menschenmassen, die sich mit voller Begeisterung dem Charme dieser Stadt hingeben. So wie ich auch. Ich genoss das leichte Flanieren durch die Straßen von Saint-Jean-Pied-de-Port mit den kleinen Touriläden und den einladenden Cafés und Restaurants.
Ich habe mich in einem Restaurant niedergelassen, um den berühmten Kuchen „Gâteau basque“ bei einem leckeren Kaffee zu verspeisen. Jaaaa, endlich war ich da, im lang ersehnten Saint-Jean-Pied-de-Port! Wie oft schon habe ich daran gedacht, wie es dort sein wird, ob ich es bis dahin schaffe etc. etc.!
Ich habe mit Sabrina und Uwe telefoniert. In der Alten Wurzhütte ist alles beim Alten. I glaub, die vermissen mi net a moi! Ich schrob einige Postkarten und kaufte mir ein neues Tagebuch für den spanischen Weg. Den Rucksack habe ich auch ausgemistet, und so einiges wird den Weg zurück nach Deutschland schon eher finden. Ballast über Bord!
Heute Abend gibt’s Rotwein und Bohneneintopf. Oh, da freuen sich die Zimmerkollegen! Die alte Dame des Hauses ist ’ne ganz charmante und witzige Person, nur schade, dass man nicht alles versteht, was sie sagt. ’Ne richtig gute Seele des Hauses.
Sabrina hat nix von den Paketen gewusst, die ich in Cahors aufgegeben hatte, und Daddy wusste nix von einer TAN-Liste, die meine Bank an seine Adresse geschickt hatte. Na ja, irgendwie ist’s schon komisch.
I gfrei mi wia d’ Sau!
Auf alle Fälle wünsche ich mir, dass es die nächsten 820 km genauso gut weitergeht wie bisher. Jo, morgen in Spanien! Andere Öffnungszeiten, andere Sprache, anderes Essen, andere Refugios, andere Menschen, andere Pilger, anderes Bier, anderer Rotwein und vieles mehr … i gfrei mi wiad Sau!
Es lebe Saint-Jean-Pied-de-Port!
Es lebe der Camino!