Mein Jakobsweg 2006 · Tag 41

Cahors – Ruhetag

📅 Mittwoch, 14.06.2006👞 Neue Sohlen🩹 Isomatte geflickt⚽ Deutschland – Polen 1:0

Neue Sohlen

Ich habe mich entschlossen, meine Schuhe hier in Cahors neu besohlen zu lassen. Es wird Zeit, da was zu tun, da ich schon jeden kleinen Stein spüre, und das ist wahrlich kein Vergnügen. Man muss ja nicht jedes Übel akzeptieren. Ich kann sie heute Abend um 19:00 Uhr schon wieder abholen. Klasse!

Derweil habe ich CDs, Karten und die Regenjacke per Post in die Heimat geschickt. Jetzt ist wieder etwas mehr Luft im Sack. Die Franzosen sind echt dreist mit ihren Postbestimmungen. Es ist sündhaft teuer, die wenigen Dinge mit den im Postamt erhältlichen Päckchen zu versenden. Für so einen Karton hätte ich 25 € berappen müssen. Die spinnen doch! Also nix wie auf die Suche nach einem einfachen Karton, in den alles reinpasst. Und siehe da, jetzt wollten die nur noch 7 € von mir. Geld gespart und 1.100 Gramm weniger auf den Schultern. Ich versteh das System mit diesen Postkartons nicht ganz, egal! Hoffentlich werde ich der Regenjacke nicht noch hinterhertrauern. Man weiß ja nie, wie’s kommt …!

Wissen Die Pont Valentré, das Wahrzeichen von Cahors, wurde im 14. Jahrhundert erbaut. Mit ihren acht Bögen und drei Türmen ist sie eine der besterhaltenen befestigten Brücken des Mittelalters.

Mit Bus Nr. 4 ins Gewerbegebiet

Schön mit leckerem Café gefrühstückt und voller Lebensdrang begab ich mich auf die Suche nach einem Sportartikelladen, wo ich ein Reparaturkit für meine Isomatte bekomme. Das stellte sich als nicht so leichte Sache heraus. Ich fahre mit dem Bus Nr. 4 aus der Stadt raus in ein großes Gewerbegebiet mit allen möglichen Märkten. Was noch anzumerken wäre: Hier gibt’s seit Langem mal wieder sehr schöne und attraktive Frauen zu sehen.

Heute ist nach meinen Berechnungen HALBZEIT, und ich bin mir noch unschlüssig, ob ich nicht heute Abend noch loslaufen soll. Um 21:00 Uhr spielt Deutschland gegen Polen. Das ist ein Muss. Es eilt ja nix.

Ich bin mit dem Bus zu einem Intersport gefahren und habe nach langem Fragen und Selbstsuchen doch etwas gefunden. Die Isomatte ist aus einem rauen Material und somit nicht ideal zu kleben. Es hat mich Nerven gekostet, da was zu finden. Die Chefs da drin wollten es mir gar nicht verkaufen, da sie der Meinung waren, es würde eh nicht halten. FALSCH!

Im Carrefour-Einkaufszentrum gönnte ich mir ein ganzes gebratenes Hähnchen für nur 4,50 €. Mann, war das lecker! Meinen Lieblingskäse „Tomme des Neiges“ gab es leider nicht zu kaufen. Endlich mal ein riesengroßer Supermarkt, wo einem nur so das Wasser im Mund zusammenläuft. Aber dann beschränkt man sich doch nur aufs Nötigste. Beim Rausgehen traf ich noch auf einen deutschen Radpilger. Auf dem Parkplatz waren zwei Leute aus der Jugendherberge mit dem Auto, die mich mit in die Herberge nahmen. Jooh! :-)

Der schönste Moment beim Schuster

Im Garten der Jugendherberge habe ich mit Michel geplaudert und in aller Ruhe meinen Hahn verputzt. Ich freute mich schon den ganzen Tag auf den Moment, in dem ich meine neu besohlten Schuhe zurückbekomme. Bin dann noch mit Jens auf ein Bierchen und anschließend allein durch die Stadt gewatschelt. In den zwei Tagen verließen mich für all meine Spesen 136 €. Ja, da gehen sie dahin, die Öcken. Okay, ich musste mir auch wirklich wichtige Dinge kaufen.

Um Punkt 19:00 Uhr stand ich beim Schuster. Welch ein Moment! Diese Freude kann man nicht beschreiben. Ich habe mich schon auf viele Dinge im Leben gefreut, aber diesen Augenblick werde ich nicht vergessen. Begeisterung, Freude und Zuversicht machten sich in meinem fetten Freudengrinsen breit.

Diesen Augenblick beim Schuster werde ich nicht vergessen.

Abends gab’s schön ’nen Wein und Bier bei Fußball und Gesang. Deutschland gewann in der letzten Minute durch das 1:0 von Neuville gegen nur noch zehn Polen. Das Kleben der Matte hat super geklappt. Schön aufgeraut und dann geflickt, was das Zeug hält. Ein großer Stein ist mir vom Herzen gefallen. Denn ohne sie wären die Nächte eine Katastrophe. ’Ne neue dieser Art kostet ca. 80 bis 100 €. Liegekomfort 1A.

Dann mal bis morgen. Eine wunderschöne Stadt, in der es sich lohnt, die kleinen, verwinkelten Gassen zu durchlaufen und etwas zu flanieren.