Was für eine Nacht, was für ein Tag!
Wie Rumpelstilzchen ums Feuer
Habe in der Nacht gefroren wie verrückt und zweimal Holz nachgelegt. Gegen 4:15 Uhr wurde Harald auch wach, und wir fütterten die Glut gemeinsam erneut mit Holz und allem, was wir fanden. Wir rannten ums Feuer wie klein Rumpelstilzchen und wärmten uns, bis wir wieder zurück in unsere erkalteten Schlafsäcke fielen. Trotzdem hatten wir ’ne Menge Gaudi dabei. Dadurch konnten wir in einen unglaublich klaren Sternenhimmel sehen. Ich hatte die Milchstraße lange Zeit nicht mehr sooo schön klar und deutlich gesehen. Hemd, Hose, Softshell und Strümpfe – so ging’s dann mit dem Schlafen. Morgens sind wir aufgewacht und haben über beide Ohren gestrahlt. Was für eine Nacht! Ach so: Vier Sternschnuppen habe ich in der Nacht gesehen!
Wir rannten ums Feuer wie klein Rumpelstilzchen.
Mit der aufgehenden roten Sonne liefen wir los. Das Ziel: Aubrac-Rind und Aligot! Ich habe noch einen Zettel für Walter, Jens und Silvio an den Baumstämmen gelassen. Aber bis zum heutigen Tag nicht erfahren, ob einer ihn gelesen hat. „How to shit in the wood“ wurde am Abend natürlich auch ausgelassen gefeiert. ;-) Unsere Namen haben wir auch in einen der Holzstämme geschnitzt.
Einen Ort weiter gab’s in einer abgefuckten Bude ’nen Kaffee und ’nen Mars. Egal, wie die Baracke aussah, ein Café hebt die Stimmung ungemein. Was die Psyche nicht alles mit einem macht! Hier haben wir einen Wanderer aus dem Elsass getroffen.
Im Gras liegen
Heute waren ca. 25 km zu gehen. So gegen 10 Uhr haben wir ein Päuschen eingelegt. „VESPERN“, wie Harald zu sagen pflegte. Ich blieb noch ’ne ganze Weile im Gras liegen und genoss die Stille und den Wind, der mir um die Nase wehte. Ein einsamer Baum weckte meinen Fotodrang, doch ich unterband ihn. Das war so beruhigend, da zu liegen und die Natur zu fühlen und zu spüren. Ich habe nicht oft die Gelegenheit oder die Muße dazu. Der Weg ruft … Ich gehe oft mit Fleiß weit hinter ihm. So hat jeder seine Ruhe und seine Einsamkeit.
In Nasbinals angekommen, gab’s einen Vin Rouge und Käse. Lecker. Hatte mich schon so darauf gefreut. Von hier aus war’s nimmer weit. Die Landschaft war heute, gepaart mit dem Wetter, ein absoluter Traum. Teils wolkenlos und Fernsicht. Das Beste ist: In Deutschland schifft’s. ;-)
Sagenhaft, die Weite der Prärie, einfach nur faszinierend. So und noch schöner ging’s bis hoch auf 1.400 m nach Aubrac. Wir hatten die ganze Zeit das saftige Steak und Aligot im Kopf. Das war der heutige Motor. Die Aubrac-Hochebene ist wunderschön. Diese Gegend wäre gewiss was für meinen Vater Achim. Wie sagt Harald in seinem Slang: „Beesd du deepert!“ Wir sind an Weiden voller kleiner violetter Blumen vorbeigekommen. Muss den Namen noch herausbekommen.
Im Turm der Engländer
In Aubrac angekommen, haben wir nach einiger Zeit des Suchens zwei Plätze im obersten Stock der Pilgerunterkunft bekommen, im alten „Tour des Anglais“. Wir sind mit zwei Frauen in einem Zimmer. Ist auch nicht so oft. Da benimmt man sich schon etwas mehr. Das heißt: nicht furzen und so. Aber mit unseren Käsemauken müssen sie auskommen, zumindest bis sie gewaschen sind. ;-) Der Turm, in dem wir wohnen, hat 71 Stufen.
So, jetzt schön geduscht und Wäsche gewaschen. Bin voller Freude aufs Essen. Jetzt ging’s nun endlich zum Essen. Wir haben uns für das Hotel gegenüber entschieden. Es gab da noch ein kleines, schnuckeliges Restaurant, doch das hatte zu. Im Hotel an der Bar haben wir Michel, den Elsässer, wiedergetroffen. Er sagte uns, dass er bis Saint-Jean-Pied-de-Port gehen will. Super, er konnte natürlich das Menü lesen, hat es uns dann übersetzt und ’ne Flasche Vin Rouge spendiert.
Es dauerte ziemlich lange mit dem Essen. Feinste Küche. Es gab:
- Suppe
- Salat
- Käse
- Feinstes Aubrac-Steak
- Aligot
- Birne mit Karamell und Eis
Das gute Bauernbrot nicht zu vergessen.
Houston, wir haben ein Problem
Die Unterhaltung mit Michel rundete den ganzen Abend noch ab. Am Ende des Abends habe ich noch drei Bier spendiert und „l’addition, s’il vous plaît“ verlangt. Wollte in gewohnter Manier mit Karte zahlen, doch es wollte nicht. Ja, ja, erst einladen und dann keine Kohle, hi, hi, hi! Weder die eine noch die andere Karte funktionierte. War ziemlich angefressen und ahnte Schlimmes. Aber es konnte doch nur an dem verdammten Automaten liegen.
Was einem dabei alles durch den Kopf geht, ist schon der Albtraum. Seit mir die Scheiße mit der Bank in den USA passiert ist, bin ich da nimmer so locker drauf. Aber erst mal Schwamm drüber, abwarten, ruhig schlafen, den Abend weiter genießen und morgen zum Bankomaten!
PS Des Gschiss mit diesen Banken oiweil!