Mein Jakobsweg 2006 · Tag 17

Genf – Ruhetag

📅 Sonntag, 21.05.2006♟️ Straßenschach im Parc des Bastions🦢 Schwäne am Quai📞 Harald ist zurück

Noch eine Nacht

Habe heute Morgen geduscht und mit den Damen fein beim Frühstück gesessen. Beide fuhren heute heim. Nach dem Frühstück rief ich Harald an, wegen Bleiben und wann er kommt. Tatsächlich war er gerade in Lausanne ausgestiegen und machte sich auf den Weg. Coool! Somit war gewiss, dass ich eine Nacht verlängern würde. Nochmals 33 Franken berappen, und dann ging’s ab in die Stadt, um zu sehen, was die noch so zu bieten hat.

Kirche, Reformation und ich

Es war Sonntag. Ich schlenderte einfach so vor mich hin und kam zur Fontäne und dann noch mal zur Kathedrale St-Pierre. Wollte sehen, ob man oben von der Aussicht einen Blick über die Stadt erhaschen könne. Es war zu dieser Uhrzeit leider gesperrt. Nichts für ungut – ich sah mir die Sonntagsmesse an. Ich hatte das Glück, einem wunderbar singenden Chor zu lauschen. Es entzückte mich doch sehr. Wäre was für Anke gewesen!

Im Anschluss stand ich vor einer großen Tafel, die über die Reformation berichtete, und las mir alles genau durch. Sehr interessant. Je tiefer ich in diese Religion, ihre Predigten, die Reformation und ihre Herkunft eintauche, desto mehr wird mir bewusst, dass es sich einfach nur um ein schönes Märchen mit oft furchtbaren Auswirkungen handelt. Es festigt sich immer mehr in mir, dass ich der Kirche keinen Glauben schenken kann und werde. Gott jedoch, den es für die Menschen schon immer in irgendeiner Form gab, gebe ich noch eine Chance in meinem Leben.

Gott jedoch gebe ich noch eine Chance in meinem Leben.

Parc des Bastions

So ging ich dann in der Kathedrale herum und sah mir das gewaltige Bauwerk von innen an. Auf dem Weg in die Stadt kam ich direkt zum Parc des Bastions mit den vier Steinfiguren Calvin, Farel, Bèze und Knox, den Reformatoren der Kirche. Ich schaute ganz begeistert lange Zeit zwei Herren beim Straßenschach zu. Der eine war wie aus dem Film, mit seinem langen Columbo-Mantel und der komischen Art zu rauchen. Das erste Spiel gewann er. Das zweite verlor er, nach einem Angriff mit beiden Pferden des Gegenspielers. Das dritte gewann er dann wieder. Hochinteressant und amüsant, den beiden zuzusehen.

Dann ging ich meiner Wege durch den Park, wo mehrere Livemusiker ihr Können darboten. Sehr schön. Ich ließ es heute ganz entspannt angehen und suchte die Ruhe in mir. Ich genoss jede Stunde, die ich in Genf verbringen konnte. Ich kaufte mir schließlich eine „Bild am Sonntag“ und las sie in Begleitung eines kühlen, eher schlechten „Thüringer Biers“. Die deutsche Nationalmannschaft trifft heute in Genf ein, im Hotel „La Réserve“, und trainieren wird sie im Stade de Genève. Darauf werde ich wohl verzichten müssen, obwohl’s mich schon juckte, die Kameraden zu sehen.

Am Quai du Mont-Blanc

Mittlerweile wurde das Wetter immer besser, und ich ging über die Rhône vor zum Quai du Mont-Blanc und lief schön geruhsam am Wasser entlang. Menschenmassen tummelten sich dort. Irre, dieser Menschenauflauf! Nach 14 Tagen der Ruhe war das schon gewaltig. Man war das gar nicht mehr gewohnt. Klingt doof, ist aber so. Zu meinem visuellen Glück sah ich sehr viele, sogar sehr, sehr viele schöne Frauen. Bei diesem Anblick dachte ich sofort an meine Enthaltsamkeit. ;-)

Ich beobachtete zwei Schwäne. Papaschwan kam vom offenen Wasser daher, und Mamaschwan saß auf dem Nest. Ich dachte schon, ich könnte einen Blick auf die Kleinen erhaschen. Eine Weile sah ich dem Treiben der beiden zu, bis ich unten rechts an der Brandungsmauer fünf kleine tote Schwänli sah. Mann, war das traurig! Warum nur? Irgendein Viech, ein Raubvogel oder eine Sturmwelle? Keine Ahnung. Ein sehr trauriger Anblick.

Trotz der vielen Menschen war es sehr angenehm, durch den Park zu schlendern. Ich fand einen riesigen Baum mit sehr merkwürdigen Blüten. Sie rochen nach Pampelmusen. Muss unbedingt herausfinden, was das für ein Baum ist. Ich dachte da gleich an meine liebe Bea.

Zurück in der Jugendherberge

Auf dem Rückweg fielen mir wieder die schönen Frauen ins Auge, und ich spülte diesen Anblick mit zwei Amstel-Bierchen runter. Noch einige Schnappschüsse, und dann ab zur Jugendherberge. Ich hatte einen Bärenhunger, wollte aber nix mehr ausgeben. Na ja, zwei Heineken taten’s dann doch. Ich hatte ja noch die Zunge, Käse und Brot. LECKER!

Ich unterhielt mich noch mit dem Mann aus Leipzig (Gohlis), der hier in der Schweiz arbeitet, und sah mir seine Fotos an. Er sagt, bevor er in Leipzig Hartz IV bekommt, geht er lieber in die Schweiz, für noch mehr, als er daheim eh schon bekommen würde. Hier suchen sie händeringend Arbeiter. Wusste ich auch nicht.

Danach schrieb ich mir die Finger wund und rief Harald noch mal an. Er hat in Coppet eine Unterkunft gefunden. Wir haben vereinbart, dass wir uns morgen früh gegen 10:00 Uhr an der Kathedrale St-Pierre treffen. GUTE NACHT!

PS Habe heute Sabrina in der Alten Wurzhütte angerufen. Hat sich total gefreut, die Kleeene. Morgen früh geh ich zum Intersport, mal sehen, ob sie was für mich haben.