Mein Jakobsweg 2006 · Tag 12

Romont – Montpreveyres – Lausanne

📅 Dienstag, 16.05.2006📦 2,3 kg zur Post🌧️ Regen und 11 Stunden Weg🅿️ Nacht im Parkhaus

Weg damit!

Um 6 Uhr haben wir den Luftschutzbunker nach einer sicheren und gut durchschlafenen Nacht verlassen (Großalarm!). Wir mussten uns von Silvio verabschieden, da er erstens eine andere Route verfolgte und wir zweitens noch zur Post mussten, die erst später öffnete. Man denke: 2,3 kg habe ich zur Post gebracht! ’Ne Menge, die meinen Füßen Erleichterung brachte.

  • Kocher
  • Gaskartusche
  • Gewürze
  • Fleecejacke
  • Korkenzieher
  • D.-E.-Buch

Weg damit! Jetzt ging’s leichter, und es war erfreulich mehr Platz im Sack. Das Zelt und die Isomatte bekomme ich problemlos unter.

Über Moudon

In Moudon haben wir Essen gefasst, uns die alte Kirche angesehen und sind nach ca. einer Stunde weitergelaufen. Silvio, den wir „Die Sandale“ getauft hatten, musste noch zu Freunden und nahm deshalb eine andere Route. Von Moudon ging es nach Montpreveyres, das ist ungefähr die Hälfte bis Lausanne.

Unterwegs, an einem schönen Häuschen, sind wir dann noch zwei älteren Kölnern begegnet, die ihre Tochter besuchten, und haben erfahren, dass sie den Weg auch schon gemacht haben. Ihre Enkelin hat uns zum nächsten Einkaufsmarkt geführt, wo es wieder Nachschub gab. Ich verspürte Durst auf ein schönes kühles Heineken aus der Dose.

Regen am Golfplatz

Danach ging’s weiter über Wiesen, Matsch und Wälder, bis es zu regnen begann. Harald hatte schon die ganze Zeit wie besessen nach einem geeigneten Schlafplatz Ausschau gehalten. Als wir in der Nähe eines Golfplatzes zu einem kleinen Häuschen kamen – wir vermuteten ein Wochenendhaus –, sprang er gleich aufs Gelände, um ein trockenes Plätzchen zum Übernachten zu finden.

Tatsächlich hatte das Haus auf der Rückseite einen großen Vorbau, wo man es sich bequem machen konnte. Es sollte keine komfortable, aber eine trockene Nacht werden. Trotz des Rollladens zog es beträchtlich, und bei zunehmendem Regen wurde es auch immer nasser. Wir hatten schon gevespert und uns mit ’nem Heineken auf die Nacht vorbereitet.

Auf nach Lausanne!

Um 19:30 Uhr hörte es auf zu regnen, und die Sonne ließ wieder ihre Strahlen zur Erde fallen, was erst in mir und dann auch in Harald neue, geballte Kraft entstehen ließ. Sagen wir’s so: Ich wollte eh nicht dort schlafen! 1,5 Stunden warten, bis es dunkel ist, und dann schlecht pennen – das ist schlechter, als in 2,5 Stunden in Lausanne in einem wirklich trockenen Quartier Unterschlupf zu finden. Dieser Gedanke gefiel auch Harald zunehmend. Also packten wir’s an und machten uns auf den Weg. Voller Eifer und mit ’ner Menge Adrenalin im Blut brachen wir auf, schnell – zu schnell.

Wir flogen beinahe. Der Geist war willig und das Fleisch auch.

Der Geist war willig und das Fleisch auch.

An den Toren Lausannes angekommen, hielten wir immer Ausschau nach einem geeigneten Ruheplatz für diese Nacht. Die Kirchen waren alle verschlossen, sodass die schon mal nicht in Betracht kamen. Da war so eine kleine Be- und Entladerampe hinter einem Markt, aber wir wussten, es sollte noch besser kommen. Die Ansprüche sanken von Schritt zu Schritt, da die Füße langsam müde wurden und ihre Schmerzfreiheit verloren, denn von Romont bis Lausanne ist es ein ziemlich weiter Weg – ca. 11 Stunden.

Nacht im Parkhaus

An der Kathedrale Notre-Dame haben wir zwei Schweizer kennengelernt und mit ihnen eine nette Unterhaltung geführt. Wir waren schon auf dem Weiterweg, da luden sie uns kurzerhand auf einen Kaffee ein. – SUPI! –

So, nun war es an der Zeit, einen trockenen Platz für die Nacht zu finden. Den fanden wir dann auch im Notausgang eines Parkhauses. Zwar mit Kamera, aber unentdeckt oder geduldet. Den langen Tag in den Knochen, versanken die Füße in eine für mich unangenehme Welt, und das ständige U-Bahn-Geräusch, Licht aus, Licht an, Schritte etc. brachten mich die ganze Nacht um meinen wohlverdienten Schlaf. Dank Ohropax und einer Schmerztablette versank ich dann doch noch in friedliche Stille.

PS Verlass dich auf deine innere Stimme.